Die drei Bürgermeisterkandidaten berichten, wie sie trotz Einschränkungen die Spechbacher erreichen wollen – Kreativität ist gefragt.

Von Christoph Moll

Spechbach. Am 5. Juli wählt das 1700-Seelen-Dorf Spechbach einen neuen Bürgermeister. Trotz Corona. Amtsinhaber Guntram Zimmermann (SPD) geht bekanntlich nach 24 Jahren in den Ruhestand. Obwohl noch gut fünf Wochen Zeit ist, nimmt der Wahlkampf allmählich an Fahrt auf. Aber wie geht Wahlkampf in Corona-Zeiten eigentlich? Das wollte die RNZ von den drei bisher bekannten Bewerbern Saskia Siegel, Jürgen Köttig und Werner Braun wissen.

Saskia Siegel aus Spechbach findet es schade, dass wegen Corona keine große Kandidatenvorstellung möglich ist. „Durch die aktuellen Lockerungen kann ich jedoch zeitnah einiges machen, was vor Wochen noch unmöglich schien“, freut sich die 35-jährige Amtsleiterin bei der Gemeinde Mauer. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht.“ Bisher habe sie zahlreiche Spaziergänge durch den Ort unternommen, um Bürger kennenzulernen. Profile in den sozialen Netzwerken „Facebook“ und „Instagram“ sind eingerichtet, eine Internetseite ist in Planung. Sich und ihre Ziele will Siegel per Video vorstellen. „Ich biete aber auch an, dass ich zu Bürgern komme und wir uns auf Abstand unterhalten“, erzählt sie. „Alternativ biete ich aber auch eine Videokonferenz an.“

Auch will sie mit Maske durch den Ort gehen und an Haustüren klingeln, um Bürger anzusprechen. „Das ist nicht verboten“, betont Siegel. „Hände schütteln werde ich aber nicht.“ Auf Rundgänge mit Bürgern will Siegel verzichten. „Vor dem Hintergrund des Versammlungsverbotes sehe ich das kritisch“, sagt sie. „Trotz der Lockerungen sollte man Corona nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Die Kandidatin bedauert, dass sie keine Versammlungen von Vereinen besuchen kann, da diese nicht stattfinden. Dass der Wahlkampf derzeit schwieriger oder leichter sei, glaubt sie nicht: „Es kommt darauf an, was man draus macht.“

Jürgen Köttig aus Meckesheim ist bereits in den Wahlkampf gestartet. Am Wochenende hat er mehrere Infostände angeboten. „Ich frage bei Treffen immer, ob ich eine Maske aufsetzen soll oder ob Abstand reicht“, erzählt er. „Die meisten wollen auch meine Mimik sehen.“ Auch Köttig ist schon durch die Straßen gezogen, um Flugblätter einzuwerfen.

Nach den Lockerungen bietet er nun auch persönliche Besuche an. So sei er schon von mehreren Bürgern zum Kennenlernen eingeladen worden. In den vergangenen drei Wochen sei er fast täglich im Ort gewesen. Ursprünglich hatte er geplant, sich beim kompletten Gemeinderat und bei Vereinsvertretern vorzustellen. So seien teilweise schon Termine ausgemacht gewesen. „Jetzt habe ich Briefe geschrieben und suche die Leute persönlich auf“, erzählt Köttig. „Man muss eben etwas kreativer sein.“ So will er zwar wegen Corona keine Rundgänge durch den Ort anbieten, aber zum Beispiel ein Treffen mit Abstand in einem Wendehammer sei möglich. Dies hätten Anwohner einer Straße vorgeschlagen. Auch an Haustüren will er noch klingeln und Infomaterial verteilen, wenn es weitere Lockerungen gibt. „Ich will aber nicht mit Maske vor der Tür stehen“, so der 58-jährige Kaufmann und Gemeinderat in Meckesheim. „Das ist unpersönlich.“

Ohne Kandidatenvorstellung sei es für ihn schwieriger, die Bürger zu erreichen. Da habe sein Mitbewerber Werner Braun als Einheimischer einen „Riesenheimvorteil“, den er aufholen müsse, so Köttig: „Ich werde Präsenz zeigen.“

Werner Braun aus Spechbach ist zumindest online schon in den Wahlkampf gestartet und hat ein Vorstellungsvideo auf „Facebook“ und auf seiner Internetseite veröffentlicht. „Das war aber auch ohne Corona geplant“, betont er. Auch Braun will durch den Ort ziehen und Flugblätter verteilen, aber wegen Corona nicht an Haustüren klingeln. Als Gemeinderat und Inhaber eines Baggerunternehmens sei er ohnehin im Ort bekannt und werde häufig angesprochen. Dennoch wolle er sich auch all jenen vorstellen, die er noch nicht kennt. Dazu könnten auch Infostände dienen – allerdings erst näher am Wahltermin.

Braun kann sich vorstellen, dass er auf Wunsch auch „Gespräche über den Gartenzaun“ anbietet. Rundgänge durch den Ort seien ebenfalls nicht ausgeschlossen, wenn diese erlaubt seien. Ein genaues Konzept will er noch ausarbeiten. Er hofft auf weitere Lockerungen, die weitere Veranstaltungsformate möglich machen.

Aber auch digitale Formen wie Diskussionen in einer Whatsapp-Gruppe sind für ihn denkbar. „Die Präsentation auf einer Kandidatenvorstellung wäre einfacher gewesen“, findet der 46-Jährige. Der Spechbacher glaubt, dass es die anderen Kandidaten nicht schwerer haben als er. „Wenn man jahrelang am Ort aktiv ist, eckt man sicher auch mal an“, sagt der Gemeinderat. „Ich lehne mich jedenfalls nicht zurück.“